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Carsten Rose
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Im Intranet ist alles anders, quasi eine heile Welt. Oder etwa doch nicht?
Die entsprechende administrative Einheit schreibt in der Regel den Arbeitsplatzrechner
samt Standard-Software vor; gleiches gilt für die Server.
Ergo findet sich z.B. auf jedem Rechner Microsofts Internet Explorer in der
aktuellen Version 5.0a und auf den dezentralen Servern
der Internet Information Server 4.0.
In solch einer homogenen Welt ist es verführerisch, spezielle Features der Browser
vorauszusetzen und zu nutzen.
Zumindest bei allen neueren Rechnern. Aber wie steht es mit denen, die noch nicht
abgeschrieben sind oder mit jenen, die es zwar schon sind, aber mangels Etats nicht
ersetzt werden (können)?
Zwei bis drei Jahre sind in der Zeitrechnung der Hard- und Software-Hersteller
und der immer noch jungen Web-Technologie
ein geradezu gigantischer Zeitraum, vor allem, wenn man in die Vergangenheit blickt.
Wir können also davon ausgehen, daß sich im Unternehmensnetz auch noch
ältere Browser- und Server-Versionen tummeln, ganz zu schweigen von
unterschiedlichen Betriebssystemversionen.
Es bleibt allenfalls zu hoffen, daß dies nicht ganz so lange andauern wird,
wie es Jakob Nielsen in seiner Alertbox-Kolumne
Stuck with old browsers until 2003
für das Internet voraussagt. Dem Vernehmen nach scheint aber eher das Gegenteil
der Fall zu sein!
Als Konsequenz folgt, daß die scheinbar einfache Welt eines Intranets sich
doch nicht so homogen darstellt, wie sie gerne beschrieben wird.
Wenn wir noch einen Schritt weiter gehen wollen, so können wir das gar nicht mehr
so ungewöhnliche Szenario einer Unternehmensfusion bemühen.
Hierbei trifft unter Umständen die oben beschriebene Konstellation auf
eine zentralistische Mainframe- und Datenbank-basierte Server-Lösung mit
Netscapes Navigator auf der Client-Seite. Wenn dann die jeweiligen Browser-Spezifika
ausgenutzt wurden, so hat man zwei Welten in Kollision:
die einen sehen statt Inline-Frames nur leere Rahmen oder bei fehlenden schließenden
Tabellen-Tags bzw. falschen Kommentarende-Tags auch mal gar nichts, während die
anderen sich mit unzähligen lustigen JavaScript-Fehlermeldungen amüsieren;
von unterschiedlicher, mangelhafter Style-Sheet-Implementierung ganz zu schweigen.
Nicht von ungefähr kämpft das
Web Standards Projekt für die
Einhaltung von grundlegenden Standards.
Ein Intranet ist ein Spiegelbild des Internets, sozusagen ein Mini-Internet.
Ungeachtet der unterschiedlichen Zielgruppen und Aufgaben, der Art und Menge
an Information gelten in ihm die gleichen Spielregeln.
Die üblichen Fehler - vgl. z.B.
Top Ten Mistakes in Web Design und
The Top Ten New Mistakes of Web Design
von Jakob Nielsen - sind hier also genauso zu vermeiden.
Stellen Sie sich nur einmal vor, daß eine bestimmte, mit viel Aufwand
optimierte Intranet-Applikation ab sofort Ihren Kunden oder Dienstleistern
in einem Extranet zur Verfügung gestellt oder gar in Ihren Internet-Auftritt
integriert werden soll. Die fällige Portierung käme sicher einer
Neuimplementierung gleich.
Was also ist zu tun? Nun, nicht mehr oder weniger als beim Design fürs Internet
auch: verwenden Sie keine proprietären Features und setzen Sie auf der Client-Seite
keine bestimmte Bildschirmauflösung, Farbtiefe oder Plugins voraus.
Orientieren Sie sich lieber an allgemeinen Hinweisen zu
Gutem HTML-Stil
von Stefan Münz oder zu
Erfolgreichen Seiten
von Sven Lennartz alias Dr. Web.
Und laufen Sie auf keinen Fall irgendeinem neumodischen Schnickschnack hinterher,
den Ihnen die Browser-Hersteller als Killer-Feature schmackhaft machen wollen.
Die von Cari D. Burstein in ihrer Kampagne
Best Viewed With Any Browser
für ein nicht browserspezifisches WWW formulierte Alternative lautet
Graceful Degradation,
was sich in diesem Zusammenhang zu deutsch etwas kompliziert mit
weichem Übergang (auf eine einfachere Darstellungsform)
umschreiben läßt. Wenn Sie also - aus welchen Gründen auch immer -
eine bestimmte Besonderheit unbedingt ausnutzen wollen oder müssen,
so tragen Sie wenigstens umsichtig Sorge dafür, daß der entsprechende Inhalt
auch von den einfachsten Browsern noch angemessen dargestellt werden kann.
Bitte unterliegen Sie auch nicht dem Irrglauben, daß Sie im Intranet genug Bandbreite zur Übertragung großer Datenmengen (Grafiken, Animationen, Applikationen etc.) zur Verfügung haben - Sie konkurrieren insbesondere zu den üblichen Büroarbeitszeiten trotz durchgängiger 10/100-MBit/s-Infrastruktur mit File- und Applikations-Servern, Datenbankanwendungen und EMail. Und haben Sie schon einmal dabei zugesehen, wie beim Abmelden von einer Windows NT Workstation ein 250 MByte großes Server-gespeichertes Benutzerprofil auf dem Server aktualisiert wird? Das kommt so nicht vor oder ist zumindest praxisfremd? Sie würden sich wundern! Die Nachfrage nach Übertragungsbandbreite wird auch im Intranet den Möglichkeiten der installierten Hardware immer vorauseilen - oder haben Sie etwa schon Gigabit-Ethernet an allen Arbeitsplätzen?
Richten Sie Ihr Augenmerk also ebenfalls auf die Optimierung von Server-Performance, Dateigrößen und Download-Zeiten; die Nutzer Ihres Intranets werden es ebenso zu schätzen wissen wie die Nutzer Ihrer Internet-Site. Im Intranet haben Sie zumindest die Chance, sie ahnen zu lassen, was sein könnte wenn ... man nicht zuhause mit 56k-Modem oder ISDN nur die Schmalspurauffahrt zum Internet hätte.
Beim Thema Navigation im Intranet finden wir eine weitere Parallele zum Internet:
Wo finde ich was? Und wenn ich etwas finde: Was ist relevant?
Ihre Intranet-Nutzer werden massiv von einer zentralen unternehmensweiten Startseite
profitieren, die am besten auf ein Intranet-Portal verweist, d.h. eine Katalog-Site
in der Form eines Mini-Yahoo.
Wenn Sie dann noch eine kontextsensitive Suchmöglichkeit hinzugeben und auch
aktuelle Nachrichten und Mitteilungen sowie ältere Informationen in Archiven online
bereithalten, so haben Sie die besten Voraussetzungen für einen dauerhaft
erfolgreichen Intranet-Einsatz in Ihrem Unternehmen geschaffen.
Eine exzellente und detaillierte Darstellung dieser Problematik findet sich (wiederum)
bei Jakob Nielsen in den beiden Artikeln
Intranet Portals: The Corporate Information Infrastructure
und
Why Yahoo is Good (But May Get Worse).
Und vergessen Sie bitte letztendlich nicht, Ihr neues Intranet-Portal auch redaktionell
aktiv betreuen zu lassen - statische Verweise auf veraltete oder gar bereits verschwundene
Dokumente nutzen niemandem.
Ein weiteres Problemfeld, das in einem dezentralisierten Intranet zwar nicht zwangsläufig, aber doch mit einiger Wahrscheinlichkeit auftreten wird, ist die Navigation über alle Server hinweg. Unter Umständen werden Ihre Intranet-Nutzer auf jeder einzelnen, im Laufe der Zeit gewachsenen Intranet-Site eine andere, ggf. lückenhafte oder gar inkonsistente Benutzerführung vorfinden. Genug Raum für Irritation und Frustration, ganz zu schweigen von Zeitverschwendung und Produktivitätsverlust.
Eine straffe, zentralisierte Intranet-Organisation bietet hier den Ausweg? Vorsicht, verschenken Sie nicht schon zuviel Potential direkt beim Start! Das Internet - und somit auch ein Intranet - lebt gerade von der Vielfalt der Beiträge und der Beitragenden. Sie sollten aber unbedingt versuchen, steuernd einzugreifen, indem Sie Leitlinien für netzwerkweite Navigationsschemata, Standard-Layouts zur Seitengestaltung und einen Katalog von Schlagworten zur Einordnung der Inhalte entwerfen und aktiv propagieren (lassen). Seien Sie versichert, daß auch Ihr Intranet vom Enthusiasmus und Engagement einiger weniger eigener(!) Mitarbeiter getragen wird; suchen Sie sie und geben Sie Ihnen nach Möglichkeit die Zeit und das Geld für eine solche Tätigkeit - und alle werden davon profitieren. Und begehen Sie nicht den Fehler, diese Kreativität durch allzu rigide Richtlinien und zentralistische Organisation im Keime zu ersticken. Versuchen Sie im Gegenteil, es Ihren Mitarbeitern sowohl technisch als auch organisatorisch so einfach wie möglich zu machen, Informationen im Intranet zu veröffentlichen, indem sie z.B. überall und jederzeit entsprechende Know-How-Träger als Ansprechpartner vorfinden.
Widerstehen Sie bitte auch unbedingt der Versuchung, der Einfachheit halber Seiten-Layout und Navigationsstruktur Ihrer Internet-Site direkt auf Ihre Intranet-Server zu übertragen. Ihre Mitarbeiter sollten sich stattdessen vielmehr anhand offensichtlicher Unterschiede jederzeit absolut zuverlässig vergewissern können, ob Sie interne oder allgemein zugängliche Informationen vor sich haben. Ganz zu schweigen von der Gefahr, bei großen, ggf. weltweiten Intranets im allgegenwärtigen Einheitsbrei den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen zu können - eine weitere Variante des Lost in Hyperspace.