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Dietmar Schlötel
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Irgendwann ist der Tag gekommen, an dem der Web-Designer sein Baby für erwachsen genug
hält, um ihm die Freiheit im Internet zu schenken. Das warme Nest auf der heimischen
Festplatte wird eingetauscht mit der kalten Platte auf irgendeinem Web-Server und der Homepage-Papa
freut sich auf unendlich viele Gäste und eine hohe Resonanz auf die in nächtelanger
Arbeit produzierten Texte und Bilder. Also gleich noch einen kostenlosen Counter besorgt,
und jetzt stündlich mal auf die eigene Page gesurft und angeschaut, wie man selber den
Counter hochtreibt. Ok, das war es noch nicht, Netpromotion ist angesagt. In Suchmaschinen
eingetragen, Linklisten bestückt, bei vier Bannertausch-Diensten angemeldet, Freunde
angerufen, tollen Domänennamen besorgt, viele Emails mit Signatur verschickt und wieder
Counter bestaunt. Endlich rührt sich das Baby. Besucher kommen, Besucher gehen,
Besucher kommen, Besucher gehen. Weiter passiert nix.
Ach so, natürlich, wer Feedback haben will, muss auch was dafür tun. Also malt
der Papa auf alle Körperteile seines Babys seine Email-Adresse. Und so ein schönes
rotierendes Email-GIF plaziert er auch noch daneben. Und einen Briefkasten. Und ein knallrotes
At-Sign. Und ein href=mailto:Papa. Jetzt braucht er nicht mehr auf die Seiten zu surfen, jetzt
kann er stündlich in seine Mailbox schauen, um festzustellen, dass irgendein Spammer sich
jetzt billig seine Email-Adresse besorgt hat und ihm verraten will, wie er in drei Tagen zum
Millionär wird. Aber Feedback gibt es immer noch nicht. Nun gut, Homepage-Daddy gibt nicht
auf. Es muss ein Gästebuch her. Da gibt es kostenlose Dienste, also hinsurfen und ein
Gästebuch besorgen und im eigenen Menü einen Link setzen.
Stunde um Stunde, Tag um Tag immer wieder das Gästebuch betrachtend sieht der
Webmaster die ersten Feedbacks. "Tolle Seite. Meine URL ist
http://www.t-noline.de/home/user/home/user/meineseite.html". Immerhin, ein Feedback. Und ein
Freund hat schon angerufen : "Klasse, Dein Gästebuch, sogar mit Werbung. Wie bist Du denn
an den Vertrag gekommen ?" Papa will Feedback. Das bedeutet jetzt : Neuer Menüpunkt FEEDBACK,
ein Formular von einem Formmail-Dienst besorgen und wieder die Mailbox quäen. Wieder
kein Erfolg, alle sechs Wochen mal ein Email. Aber seine Freundin hat keine Mail-Adresse und hat
so einen billigen Weg gefunden, ihm mal ein paar Takte zu geigen. "Du immer nur im Internet. Ich
will mal wieder ins Kino. Schmollend Gabylein."
Ja, ich weiß, dass ich hier ziemlich vom Leder gezogen habe. Aber sicher hat der eine
oder andere Webmaster beim Lesen des vorigen Abschnitts ein wenig geschmunzelt und sich
an seine ersten Erfahrungen erinnert. Und der Wunsch nach Feedback zur eigenen Arbeit ist
besonders bei den ersten Schritten eines Webmasters nur zu verständlich. Wer erkennt
schon bei den eigenen Projekten die Schwachstellen ohne fremde Hilfe. Und erfahrungsgemäß
fängt ja jeder erst mal klein an. Somit fehlen ihm in der Regel die riesigen Besucherzahlen,
so dass der kleine Prozentsatz von Besuchern, die die Mühe auf sich nehmen, konkrete Kritik
zu mailen oder verdientes Lob ins Gästebuch zu stellen, keine relevante Zahl ergibt.
Mit diesen Erfahrungen im Hinterkopf klingelte es bei mir gewaltig, als ich in einem Newsletter
von einem Angebot in USA hörte, Feedback einfach zu tauschen. Das könnte die Lösung
sein, nur auf Deutsch sollte es schon sein, und einfach zu verwalten und zu bedienen.
Ihr kennt das ja sicher, wenn einen so eine Idee erst mal gepackt hat, kann man nicht mehr davon
lassen, bis das ganze Projekt leidlich funktioniert. Also ran an die Tastatur und losprogrammiert,
bis die Finger schmerzen. Jetzt krieg ich die Email: "Du mit Deiner Schnapsidee vom Feedback-Tausch.
Kümmere Dich mal wieder um die Familie!" Aber ich habe durchgehalten und innerhalb einiger Tage
(und Nächte :-)
ein funktionierendes Gebilde aus CGI ,HTML und Javascript geschaffen, das den Praxis-Einsatz
durchstehen kann. Das Ziel ist erreicht, der
Feedback-Tausch ist geboren, ich habe wieder
ein neues Baby. Und es kann schon ganz schön schreien. Dank
Dr. Web's
Empfehlung in der Wundertüte war der
Anfang gleich erfolgreich und schon innerhalb weniger Tage hat sich eine wachsende und munter
Feedback tauschende Anzahl von Webmastern eingefunden.
Der Reiz des Projekts besteht darin, dass das Ganze auf Gegenseitigkeit und Interaktion basiert.
Drei Ziele haben meine Arbeit geprägt. Erstens wollte ich nicht unbedingt ständig
moderierend und Newsletter schreibend im Projekt präsent sein müssen. Folgerichtig
wird der ganze Feedback-Tausch vollautomatisch durchgeführt. Zweitens wollte ich
möglichst sicherstellen, dass ohne irgendwelche Zwangsmaßnahmen jede teilnehmende
Site ziemlich schnell rezensiert wird. Das wird erreicht, indem nur eine begrenzte Zahl von
Feedback erheischende Sites dem Rezensenten zur Verfügung gestellt wird. Drittes Ziel
war der Anreiz für den Feedback-Tauscher, nicht nur eine, sondern mehrere Sites zu
rezensieren und das auch immer wieder mal. Also wird der eifrige Feedback-Tauscher auch
häufiger in der Liste der zu bewertenden Sites auftauchen.
Technisch habe ich das Projekt auf drei Perl-Skripts aufgebaut, jedes dient einem Schritt des
Prozesses. Das erste Skript wählt nach einem geheimen<VBG> Algorithmus elf
Site - Namen bzw. Kurzbeschreibungen - das ist freie Wahl des Anmelders - aus und bietet sie
dem Rezensenten in einer Listbox zur Auswahl an. Das zweite Skript liefert das Bewertungs- und
Anmeldeformular und blendet die ausgewählte Site in einem Extra-Fenster ein. Das letzte Skript
nimmt die Rezension und die Anmeldung an und erstellt die Ausgaben. Der Webmaster der rezensierten
Seite erhält die Bewertung per Email (mit Kopie an mich). Der Rezensent erhält eine
Absendebestätigung per Email sowie einen Abzug seiner Eingaben als HTML-Seite. In der Datenbank
wird der vermittelte Feedback-Tausch eingetragen. Dabei verschlechtert eine erhaltene Rezension
die Position der bewerteten Seite. Eine Feedback-Eingabe führt zum Eintrag der angemeldeten
Site. War dieses Projekt bereits angemeldet, verbessert die Bewertung das Ranking in der Datenbank.
Große Bedenken hatte ich in Erwartung der Qualität der Feedbacks. Aber da hat mich die Webgemeinde mal wieder angenehm überrascht. Flames treten so gut wie gar nicht auf, naja, "haust Du meine Seite, hau ich Deine Seite" haben wir auch schon gehabt. Aber der Großteil der Rezensionen ist fair und konstruktiv. Da werden bemerkte Fehler gemeldet, Vorschläge für Design-Änderungen gemacht, oder einfach Inhalte oder Optik gelobt. Zitat: "...sonst schon sehr hübsch geworden (für nen Rheinländer ;-)".
Auch die Beteiligung ist sehr intensiv. Eigentlich gibt es keinen, der nicht hin und wieder
reinschaut und mal wieder einige Sites rezensiert. Einige Webmaster haben gleich mehrere Projekte
angemeldet. Insgesamt scheint der
Feedback-Tausch
vielen gefehlt zu haben und jetzt wie auch mir vielen Spaß zu machen.