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Ulli Meybohm/Stefan Münz:
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Neben all den teils bewundernswerten, teils verachtenswerten Versuchen von Einzelkämpfern und Unternehmen, sich am Internet zu bereichern, gelangt durch die Verbreitung des Internet auch immer mehr jene andere Welt in die Anwenderköpfe - die Welt der Unix-Philosophie: freiheitlich statt firmeneigen, offen statt geheimnistuerisch, high-endig statt "klick&dirty".
Ulli Meybohm, Autor des bekannten HTML-Editors, gehört mittlerweile zu den prominentesten deutschsprachigen Botschaftern dieser "anderen Welt". In dem Dialog, an dem wir über mehrere Mailwechsel hinweg mit einer jeweils angehängten, wachsenden Textdatei gearbeitet haben, wird hoffentlich deutlich, worin die Konzepte dessen bestehen, was Ulli unter Freeware versteht. Als Artikel zu Selfaktuell will der Dialog dazu beitragen, weiter zum Verständnis dieser anderen Welt beizutragen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn ein paar neue Leute zu ahnen beginnen, daß gute Software nicht gleichbedeutend mit dem ist, was man für viele hundert Mark in Hochglanzschachteln kaufen kann.
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Ulli: Ulli Meybohm |
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Stefan: Wenn man Endanwender bittet zu erklären, was sie unter Freeware verstehen, dann werden sie wohl in fast 100% aller Fälle zuerst sagen: Freeware ist kostenlose Software, und das war's auch schon. Viel mehr wird ihnen nicht dazu einfallen. Nun mag es Software-Autoren geben, die ihre Programmierergebnisse tatsächlich einfach so im Internet anbieten, weil sie sich gar nicht vorstellen können, daß jemand dafür bezahlen würde, oder weil es ihnen zu umständlich ist, sich mit Zahlungsverfahren, Rechnungen, Steuern und dergleichen zu beschäftigen. Es gibt aber auch Software-Autoren, und zu denen zählst du dich, für die Freeware keine Geschäftsuntüchtigkeit oder Faulheit ist, sondern - wie unser Titel schon sagt - eine geistige Haltung. Welche Überlegungen stecken dahinter? Ulli: Es ist ziemlich schwer, die Zusammenhaenge zu beschreiben, ohne daß dieser Dialog in einem einseitigen Monolog meinerseits endet. Das Thema mag einfach klingen, ist aber in der Tat ziemlich komplex. Vielleicht sollte man erstmal den Unterschied zwischen kostenloser und freier Software beschreiben, damit klar wird, worum es hier geht. Wie du gesagt hast, wird mit Freeware im allgemeinen kostenlose Software assoziiert, die man sich irgendwo als ausführbare Datei aus dem Netz runterlädt. Diese Software ist zwar kostenlos, aber keineswegs frei, da die Lizenzen der Software die Benutzer in zentralen Punkten beschränken. Die Begriffsverwirrungen resultieren daher, daß es im Englischen nur ein Begriff für "kostenlos" und "frei" gibt, nähmlich "free". Bei freier Software geht es aber weniger um kostenlos, als um frei im politischen bzw. gesellschaftlichen Sinn, daß heißt frei von Besitzansprüchen, Patenten und Beschränkungen aller Art gegenüber dem Benutzer. Es gibt lediglich Restriktionen, die die freien Quellen vor Mißbrauch schützen, aber die sind notwendig, um den freien Status der Programme zu schützen. Stefan: Ich versuche mal, das für mich zu sortieren. Zwei Aspekte möchte ich herausgreifen. Ulli: Der Staat muß freie Software nicht vor der Industrie beschützen. Die Bewegung hat tausende Anhänger, darunter einige der fähigsten Programmierer der Welt, wie Linus Torvalds, Richard Stallman, Alan Cox und Eric Raymond, um einige bekannte Namen zu nennen. Die können sich auch im freien Wettbewerb mit der Industrie behaupten, und die freie Software kann sich ohne Probleme mit den kommerziellen Varianten messen, ist zum Teil auch überlegen (z.B. Apache, PHP, Perl, der GNU-C Compiler u.a.). Stefan: Diese Art von "Fairness" hängt meines Erachtens aber stark an Einzelpersönlichkeiten mit entsprechender Charakterfestigkeit. Leute wie jene, die du oben genannt hast, sind fürchte ich eine Minderheit. Den meisten Entwicklern fehlt die offene Einstellung zu ihrem eigenen Tun. Ich bekomme es allein dadurch mit, daß die wohl häufigste Frage rund um HTML die ist, wie man seinen Quelltext verstecken kann, so daß andere ihn nicht sehen können. Meistens wird diese Frage von jungen und unerfahrenen Homepagebastlern gestellt. Aber sie zeigt, mit welchen Zwangsvorstellungen diese Jugendlichen leben: es ist für sie ein Zeichen von Schwäche, zu zeigen, wie sie etwas gemacht haben. Prozessdenken ist ihnen fremd. Was ihnen vorschwebt, ist Perfektion, die aber ihr Geheimnis nicht preisgibt. Solche Leute neigen natürlich dazu, ihr Wissen hinter Binärdateien zu verstecken. Das ganze Klartext-Konzept, dem die Unix-Welt huldigt, und das durch den Erfolg von HTML&Co. immerhin auch weit in die Welt der "Normalanwender" eingedrungen ist, ist ihnen unangenehm. Angesichts dessen bin ich nicht so sicher, ob es genügt, der "freien Software-Entwicklung" einfach nur die Luft zum Atmen zu lassen. Ist da nicht viel mehr nötig von staatlicher Seite? Ulli: Es kann sein, daß einige Leute da anders darüber denken. Es gibt aber genug, die die Idee unterstützen. Das System funktioniert ja schon, es existiert. Und daß es existiert und mit etablierten Systemen mithält und sie teilweise übertrifft, ist doch ein Zeichen dafür, das das ganze keine Träumerei ist. Stefan: "Offene Quellen" - das klingt so verheißungsvoll wie "offene Gesellschaft". Und so wie du es schilderst, ist es wohl auch die Art, wie man in einer offenen Gesellschaft Software entwickelt. Leider sehe ich derzeit mal wieder anhand der FTP-Explorer-Geschichte, wie wenig "offen" es in unserer Gesellschaft zugeht. Gerade was Rechthaberei betrifft, und auch was das Ausnützen von juristischen Lücken betrifft. Nicht offen gelegter Software-Code und juristische Abzocke - irgendwie paßt das zusammen, oder? Ulli: Es wird viel geredet, daß die Welt und die Menschen schlecht sind. Ist das ein Grund auch schlecht zu sein? Wenn alle so denken, dann passiert gar nichts Positives. Es gibt im Moment eine ganze Menge Leute, die gute Dinge tuen und die als Vorbild dienen. Ich habe auch nicht von Anfang an so gedacht, wie jetzt. Allerdings habe ich dazugelernt, und mir ein Beispiel an den großen Vorbildern wie Stallman oder Torvalds genommen. Es sind jedenfalls genug Leute da, um ein freies Betriebsystem zu schaffen. Das ist die Aufgabe, und wir liegen nicht schlecht im Zeitplan. Die Software verschwindet ja nicht. Wenn einmal ein freies Programm existiert, dann existiert es in alle Ewigkeit und muß nicht immer wieder geschrieben werden. Irgendwann werden die meisten relevanten Anwendungen frei sein, und dann ist der Job erledigt. Stefan: Ein anderer Aspekt, den ich ich noch verfolgen möchte, betrifft die Gleichung "GNU/Linux ist gut, Windows ist schlecht". Ein Blick auf die User-Statistiken von teamone.de (und damit des SELFHTML-Publikums) sagt mir, daß mindestens 90% der Klientel ein Windows-System benutzt. Ist es angesichts dieser Übermacht nicht falsch, all diesen Leuten ins Gesicht zu spucken? Wäre es nicht geschickter zu versuchen, die Ideen aus der GNU/Linux-Welt in die "feindliche" Windows-Welt hineinzutragen? Den Feind sozusagen zu unterwandern? So, wie du es mit deinem HTML-Editor ja bereits gemacht hast? Oder kann die Windows-Welt einfach nicht die erforderliche Grundlage bieten, zum Beispiel dadurch nicht, weil Windows-Systeme keinen Compiler zum "Selberbinden" neuer Software besitzen und daher nicht wirklich "Open-Source"-fähig sind? Ulli: Das mit 90% die Mehrheit Windows benutzt muß für mich ja nicht heißen, daß ich jetzt unbedingt unter Windows arbeiten sollte, nur weil alle das tun. Ich war noch nie jemand, der ohne selbst nachzudenken mit der Herde mitzieht. Daß Windows das am meisten benutzte System ist, hat historische Gründe. Windows bietet im Moment das größte Spektrum an Unterhaltungssoftware und hat im Office-Bereich noch einen leichten Vorsprung. Auf lange Sicht wird es seine Monopolstellung aber nicht halten können. Der Fall des Microsoft-Office-Monopols wird fuer Mitte 2001 vorrausgesagt. Von der Idee, Windows in irgendeiner Art zu unterwandern halte ich nicht viel. Es bietet keine gute Grundlage. Der Hauptgrund aber ist, daß ich nicht mehrere hundert Mark für ein kommerzielles System ausgeben will, das sich an keinerlei Standards hält (z.B. POSIX), und auf dem ich nur schwer portable Programme schreiben kann. Wenn ich unter Linux Programme entwickele, dann laufen die in aller Regel auf einer ganzen Reihe von anderen Plattformen und Prozessoren (Solaris, BSD und andere Unixvarianten, BE-OS und vielleicht bald auch auf MacOS). Alle die genannten Betriebsysteme halten sich mehr oder weniger an den POSIX-Betriebsystemstandard. Außerdem habe ich gar keine Lust mehr, Windows zu benutzen, weil es zu wenig bietet. Linux und vor allem die ganzen freien GNU-Programme, die unter Linux laufen, sind einmal einfach besser und zum anderen frei und kostenlos. Außerdem ist die Linux/Unix-Architektur einfach besser durchdacht als Windows, das noch den ganzen Balast aus DOS-Zeiten mit sich schleppt. Wenn ich da mal ein Beipiel nennen darf: Wen haben die Windows-Laufwerksbuchstaben nicht auch schon angekotzt. Man baut eine Festplatte aus, ein oder um, und schon haben sich alle Laufwerksbuchstaben geändert, und alle symbolischen Links funktionieren nicht mehr. Das alles gibt es unter Linux nicht. Da hat man einen Verzeichnisbaum und kann alle Laufwerke oder Netzwerk-Anbindungen in diesen Verzeichnisbaum einhängen, wo man gerade will. Ich will auf den Luxus, den mir Linux im Vergleich zu Windows bietet, einfach nicht mehr verzichten. Zugegeben, Windows hat für unerfahrene Benutzer vielleicht noch das intuitivere Interface, aber erfahrene User können in der Text-Konsole viele Aufgaben schneller erledigen als der schnellste Icon-Klicker unter Windows. Stefan: Das Prinzip der "kleinen Programme" mit begrenzten, aber dafür hochgradig fehlerfrei programmierten Aufgaben, die sich durch Kombinieren und Datenaustausch zu insgesamt hochgfradig leistungsfähigen und individuellen Anwendungen verbinden lassen, hat mich auch schon immer fasziniert. Ist ja auch die typische Unix-Philosophie, die, wenn man sie auf die Welt der Texte überträgt, durchaus mit dem korrespondiert, was man dort als Hypertext bezeichnet. Dieser Art der Datenverarbeitung gehört mit Sicherheit die Zukunft, genauso wie dieser Art von Textverarbeitung die Zukunft gehört. Wo ich Probleme sehe, ist einfach bei der Akzeptanz einer "Arbeitsebene", die noch vergleichsweise nah am Prinzip "Computersprachen" angesiedelt ist. Viele Leute bekommen dabei die Krise, sie können weder eine Kommandozeile noch HTML-Quelltext ertragen. Sie wollen auch nicht verstehen, was da passiert. Sie wollen den Computer benutzen, so wie sie einen CD-Player benutzen. Liegt da vielleicht ein Trugschluß vor? Kann man Computer gar nicht wie Geräte benutzen, weil es keine Geräte sind, sondern es sich bei ihnen um etwas anderes, neues handelt, um "beginnende Intelligenz"? Darf Software also die Arroganz besitzen, sich nur dem zu erschließen, der bereit ist, sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen? Ulli: Computer sind nunmal keine Toaster. Es geht mir um Leute, die mit dem Computer arbeiten wollen. Außerdem, die Kommandozeile ist ein zusätzliches, mächtiges Werkzeug und keine dem Benutzer auferlegte Qual. "Das Kommandozeileninterface ist benutzerfreundlich. Es sucht sich seine Benutzer nur sorgfältig aus", hat mal jemand gesagt. Außerdem gibt es auch auf Unix-Systemen für die meisten Sachen grafische Frontends. Das soll also nicht das Problem sein. Ich denke nicht, daß man viel mit dem Computer machen kann, wenn man ein Benutzerinterface zwischen den User und den Rechner setzt, das sich so einfach wie ein CD-Player bedienen läßt. Je mehr du über den Computer oder Programmiersprachen weißt, desto mehr kannst du mit dem Computer machen, so einfach ist das. Bis zu welchem Grad man da gehen will, ist jedem selbst überlassen. Daß es sich bei Computern um beginnende Intelligenz handelt, bezweifele ich allerdings stark. Der Computer an sich ist strohdumm, hat nur wenige Fähigkeiten, und vor allem hat er keine Seele. Er kann nur schneller rechnen als der Mensch, was ihn in manchen Bereichen dem Menschen überlegen aussehen mögen lässt. Allerdings wird es, denke ich, keinen Rechner der Welt geben, der mit dem massiven Parallelrechner mithalten kann, der bei uns im Kopf sitzt. Bei Intelligenz geht es um mehr als um schnelle Datenverarbeitung. Es geht da auch um Erfahrungen, Gefühle, Fehlertoleranz und Abstraktionsvermögen. Bei unserem Gehirn ist der Speicher auch gleichzeitig der Prozessor. Das ist der ganze Witz. Es kann sein, daß es mal Rechner gibt, die hochgradig parallel und asynchron arbeiten, aber das ist Zukunftsmusik. Stefan: Themenwechsel: In unserer materialistisch geprägten westlichen Welt ist monetär meßbarer Return meist die treibende Kraft. Freie Software folgt diesem klaren Leitbild nicht. Welche Motivation steckt dahinter, viel Zeit, Energie und professionelle Leistung in ein Werk zu investieren, das die Gesellschaft (noch?) nicht zu schätzen weiß? Ulli: Mein Gott, über die Frage der Motivation hat Stallman ein ganzes Buch ( Stefan: Erfordert diese Mission nicht sehr viel Ausdauer, ist ermüdend oder gar frustrierend? Ulli: Ausdauer erfordert es natürlich, und ermüdent ist es teilweise auch, aber das wird durch den Spaß am Programmieren kompensiert. Frustrierend ist es eigentlich sehr selten. Die meiste Zeit ist eher bereichernd. Man lernt dazu und bekommt nette Mails, lernt nette Menschen wie euch kennen und steht ab und zu wie hier in Selfaktuell im Rampenlicht. Das sind schöne Momente. Aber jetzt sagt mal, wie ist das bei euch? Eure Tätigkeit ist ja auch nicht viel anders als meine. Wir arbeiten alle für die Freiheit der Information, und Programmieren und Schreiben sind sehr verwandte Tätigkeiten - beide beanspruchen beide viel Können, Ausdauer und Energie. SELFHTML ist übrigens auch auf der aktuellen S.u.S.e-Linux Distribution, ihr seid also auch Teil des freien Systems, zumal freie Dokumentationen in Zukunft ein immer wichtigeren Teil der Bewegung darstellen. Was habt ihr für ideelle Werte? Warum opfert ihr einen Großteil eurer Freizeit für SELFHTML? Habt ihr schonmal von der GNU-Lizenz für freie Publikationen/Dokumentationen gehört? Ist das auf SELFHTML anwendbar? Stefan: Mir geht es bei SELFHTML zumindest so, daß ich das Werk als "Autorenprojekt" verstehe und kein Interesse daran habe, daß es von allen möglichen selbsternannten Trittbrettfahrern ein bischen hier, ein bischen da erweitert wird. Der erweiterte Raum - Selfaktuell - allerdings schon. Wir haben einen eigenen Bereich für Entwickler, die an Inhalten oder Scripts rund um den Aktuell-Raum arbeiten. Es gibt auch diese Artikel hier, in denen jeder sein Wissen und Können in die Welt von SELFHTML mit einbringen kann. Die Doku selber ist für mich jedoch eine persönliche Angelegenheit, ein Ausdruck meiner selbst, bei der ich jeden Anflug von "public domain" vermeiden will. Ich habe mich allerdings mit der GNU-Variante für Publikationen/Dokumentationen noch nicht weiter befaßt und werde das sicher noch nachholen. Ich kann nicht so beurteilen, wie es bei Software ist. Meinst du wirklich, Software wird automatisch besser, wenn viele Leute darin ihre Spuren hinterlassen? Besteht bei diesem Sichselbstüberlassen nicht auch die Gefahr der Verschlimmbesserung? Ulli: Auch bei freier Software kann nicht jeder einfach Code einfügen wie er gerade lustig ist. Es gibt in der Regel einen Projektleiter, wie Linus Torvalds beim Linux-Kernel, der entscheidet, welcher Code von dritten aufgenommen wird und welcher nicht. In der Regel werden größere Projekte so weit modularisiert, daß sich die Programmierer die Arbeit teilen können, ohne sich in die Quere zu kommen. Änderungen müssen laut GPL auch immer genau kommentiert werden mit Art der Änderung und Namen des Autors, der die Änderung gemacht hat. Es kann also keiner dein Programm nehmen, irgendein Unsinn einfügen und das dann zu veröffentlichen, ohne zu sagen, was er wo verändert hat. Das wäre illegal, und diese Freiheit ist laut Lizenz eingeschränkt. Es kann aber keiner daran gehindert werden, dein Programm zu nehmen, und es mit dokumentierten Änderungen zu publizieren. In der Regel kommt ein sogennanter "fork" (Gabelung des Projekts in 2 getrennte Entwicklungswege) selten vor, ist sogar verpönt und wird in seltensten Fällen angewendet, nur wenn zum Beipiel der Original-Autor das Interesse am Programm verliert oder von der Bildfläche verschwindet. Dann wird das Programm, wenn es das wert ist, von Dritten legal weitergeführt. Das einzige Unangenehme, was passieren kann, ist daß jemand ohne Grund dein Programm nimmt und getrennt weiterentwickelt, ohne dich zu fragen, ob man nicht doch besser zusammenarbeitet. Wenn der dann eventuell schneller ist als du selbst, dann kann die abgespaltene Version erfolgreicher werden als deine eigene Originalversion und er hat den den Erfolg. Dieser "fork" ist zwar legal, allerdings bei den Hackern gar nicht gern gesehen und verstößt ziemlich schwer gegen die Hackerethik. Der Fall der skrupellosen Übernahme fremder Projekte ist bis jetzt so gut wie nie eingetreten. Ich glaube auch nicht, daß derjenige, der so einen "fork" einleitet, damit glücklich wird. Eine Frage an dich: Du willst also SELFHTML alleine weiterführen? Das Thema wird ja immer komplexer, es kommen immer neue Themen hinzu wie XML, WML, CGI und Skriptsprachen. Meinst du, daß du in Zukunft genug Zeit haben wirst, das alles selbst zu dokumentieren? Oder wirst du Teile auslassen? Wie ich höre hast du auch seit neuestem mit Kess eine Co-Redakteurin gefunden. Wie ist das jetzt mit dem Copyright von SELFHTML? Wer hat die Rechte daran? Stefan: Deine Bemerkungen zu den "forks", die nur sehr selten vorkommen, weil sie der Hackerethik zuwiderlaufen, finde ich sehr interessant. Vermutlich ist der Druck, der dort von der Gemeinschaft auf den Einzelnen ausgeübt wird, so groß, daß die Gefahr des "billigen Profitierens" von fremdem geistigen Gut weitgehend gebannt ist. Ulli: Ich wollte noch auf etwas anderes eingehen, da du den HTML-Editor im Bezug auf freie Software erwähnt hast. Der HTML-Editor ist kein freies Programm. Es ist nur kostenlos, Freibier. Der Quellcode ist nicht veröffentlicht. Ist auch dummerweise nicht möglich, da ich kommerzielle Komponenten lizensiert habe, deren Quellen ich gar nicht veröffentlichen darf. Die Komponenten nachzuprogrammieren oder durch freie zu ersetzen ist fast unmöglich und mit zu viel Aufwand verbunden. Außerdem kostet der Compiler mehrere hundert Mark. Auch wenn ich alle Quelltexte von mir ins Netz stellen würde, müsste man ca. 500-1000 Mark investieren um das Programm überhaupt ändern oder kompilieren zu können. Merkt ihr langsam, warum Windows die falsche Umgebung ist, und warum freie Compiler und Bibliotheken so wichtig sind? Was passiert zum Beispiel, wenn ich das Interesse an der Weiterentwicklung verlieren würde? Das Programm würde seinen proprietären Tod sterben, falls ich nicht jemanden finde, der das Geld in Compiler und Bibliotheken investiert um, das Projekt weiter zu führen. Stefan: Das Problem kann ich nachvollziehen. Fast alle Windows-Entwickler arbeiten heute mit Umgebungen wie Delphi oder Visual Basic und setzen damit von vorneherein auf eingebundene Software-Komponenten, die nicht offengelegt und nicht frei vertreibbar sind. Sie vereinfachen die Entwicklungsarbeit, aber sie verhindern die leichte Portierbarkeit und binden an bestimmte Betriebssysteme, Compiler usw. Ulli: Also, erstmal zu dem Mythos, daß freie Unix-Programme sich nicht auf moderne Art präsentieren. Im Moment ist zwar noch viel in Entwicklung, aber wir haben zum Beipiel mit Enlightment eine Oberfläche, die mächtiger und anpaßbarer ist als die von Windows zum Beispiel. Und die ist wohl auch schöner mit den richtigen Themes, es gibt zum Beispiel auch Terminalfenster mit anpassbar transparenten Hintergrundtexturen und anderen Schnickschnack, wie einbettbare Applets in die Startleiste, bei denen Windows-Usern die Kinnlade herrunterfällt. Stefan: Ich denke, damit haben wir mal einige wichtige Aspekte der Freeware-Bewegung kennengelernt. Und ich persönlich hoffe, auch in Zukunft mein HTML mit deinem Editor schreiben zu können - auch wenn er nur "Freibier" ist ;-) |
GNURekursives Akronym für "GNU is not Unix". GNU ist der Name des freien Betriebsystems, das die Free Software Foundation zur Zeit programmiert. Durch den Erfolg von dem Linux Kernel, der eigentlich nur einen kleinen Teil im gesamten freien System dartellt, ist der Name GNU etwas in den Hintergrund geraten. Immer mehr Bedeutung dagegen gewinnt die GNU Public Licence, das GNU-Modell für freie Software.
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Free Software FoundationFree Software Foundation ist mit dem GNU-Projekt verbunden. Ihr Ziel ist es, die bei bekannten kommerziellen Software-Produkten üblichen Lizenzbeschränkungen aufzuheben. Die Stiftung macht sich stark für einen Software-Standard, bei dem die Quelltexte offen liegen, kommentiert sind, und der jedem erfahrenen Anwender das kontrollierte Modifizieren und Anpassen der Software ermöglichen will. Der Schwerpunkt liegt dabei auf neuen, bislang unbekannten Programmen, die diesen Prinzipien treu sind und sich in die Freeware-Gemeinschaft integrieren wollen.
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Linus Torvald und LinuxLinus Torvald, Finne mit schwedischer Muttersprache, wagte sich zu Beginn seines Studiums an die Programmierung einer eigenen, die POSIX-Standards einhaltenden Unix-Implementierung für Intel-Prozessoren. An seinen Vornamen anklingend nannte er sein Betriebssystem Linux. Das System eroberte rasch die Herzen unzähliger Entwickler. Nach und nach wurde das System auf viele namhafte Prozessortypen portiert. Heute ist Linux wohl die erfolgreichste Unix-Implementierung. 1997 ging Linus Torvald in die USA und arbeitet dort im Silicon Valley für die Firma Transmeta Inc.
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Richard StallmanEr gilt als der Vater der Freeware-Bewegung. 1969 startete seine Programmier-Karriere in New York bei IBM. Ab 1971 arbeitete er für die AI Labatories und entwickelte dort die Programmiersprache Lisp mit, die auch heute noch überzeugte Anhänger hat. Er geriet jedoch in Schwierigkeiten, als sein Arbeitgeber mehr und mehr versuchte, die entwickelte Software gegen Änderungsmöglichkeit zu schützen. Stallman schlug sich auf die Seite der "Hacker", womit jene Leute bezeichnet wurden, die eine anarchistische, aber durchaus mit ethischen Regeln verbundene Vorstellung von Software hatten. Die gereiften Ideen veranlaßten Stallman schließlich, 1983 die Free Software Foundation zu gründen. Daraus wiederum ging das GNU-Projekt hervor.
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Open SourceFreie Programme, die mit Quellcode publiziert werden, und die laut der Lizenz von jedem verändert und wieder publiziert werden dürfen. Die Programme gehören sozusagen der Allgemeinheit, da der Autor auf seine Exklusivrechte verzichtet. Dies ist die Hauptidee der ganzen Bewegung. |
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CompilerProgramm, mit dessen Hilfe man aus Programmier-Quelltext ein für ein Betriebssystem ausführbares Programm erzeugen kann. In der Windows-Welt ist es üblich, Programme als fertig ausführbar auszuliefern. Mit dem Quelltext kommen Anwender dabei nicht in Berührung, da dieser aus dem Inhalt binärer ausführbarer Dateien, etwa vom Typ .EXE oder .DLL, nicht mehr hervorgeht. Die typischen freien Programme innerhalb der Unix-Welt werden dagegen im Quelltext ausgeliefert. Mit einem Compiler, der in den meisten Unix-Systemen zum Lieferumfang des Betriebssystems gehört, kann sich jeder Anwender den Quelltext für sein System kompilieren. Dabei besteht natürlich auch die Möglichkeit, mal in den Quelltext des Programms zu schauen. Natürlich ist es erfahrenen Anwendern dabei auch möglich, den Quelltext individuell anzupassen oder das Programm sogar allgemein zu erweitern oder zu optimieren. Genau das ist die Grundlage der Freeware-Bewegung. |
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POSIX-StandardDer POSIX-Standard spezifiziert betriebssystemnahe Software-Schnittstellen. Dabei werden die Kommandozeilenebene und die einzelnen Systemprogramme, die für Unix-Systeme typisch sind, standardisiert. Da Unix ja anders als Windows keinen bestimmten Hersteller hat, sondern es verschiedene Unix-Implementierungen gibt, die zum Teil kommerziell, zum Teil frei sind, ist eine solche unabhängige Standardisierung nötig. |